Oder: Was mein Analyse-Tool mit ethischem Marketing zu tun hat
Ich gebe es zu: Bis vor Kurzem hatte ich denselben Ansatz wie die meisten anderen da draußen.
Wer meinen kostenlosen KI-Score nutzen wollte – ein Tool, das analysiert, wie gut eine Website für KI-Suche optimiert ist – musste dafür seinen Namen und seine E-Mail-Adresse hinterlassen. Klassischer Lead-Funnel, klassisches Tauschgeschäft: Leistung gegen Daten.
Und trotzdem habe ich es abgeschafft.
Das ungute Gefühl, das ich nicht länger ignorieren wollte
Als ich meine neue Website ein paar Freunden gezeigt habe, war das Feedback größtenteils positiv – bis einer meiner Freunde einen Screenshot des Anmeldeformulars in unsere Runde gepostet hat und trocken kommentierte: „Ja und jetzt muss ich hier gleich wieder mein ganzes Leben offenbaren, bevor ich da irgendwas krieg, oder wie?”
Erst hab ich mit den Augen gerollt, da ja Name und E-Mail jetzt nicht gerade ein Striptease ist. Aber das hat mich nicht mehr losgelassen.
Denn er hatte recht. Dieser Satz hat genau das auf den Punkt gebracht, was viele Menschen inzwischen instinktiv fühlen, wenn sie auf solche Formulare stoßen.
Und ich kenne dieses Gefühl selbst nur zu gut. Wie oft bin ich selbst im Internet nach diesen Daten gefragt worden und habe entweder gar nicht oder nur widerwillig zugestimmt? Zu oft, um es zu ignorieren. Dieses ungute Gefühl im Bauch, weil man genau weiß, was danach kommt: eine Willkommens-Mail, dann eine Sequenz, dann irgendwann ein Angebot. Man kann froh sein, wenn man gleich jemand am Telefon abwürgen muss. Ich bin nicht mehr ein Besucher – ich bin ein Lead. Eine Nummer im CRM. Ein potenzieller Abschluss.
Und genau dieses Gefühl – dieses leise, aber deutliche „ich werde hier gerade vermarktet” – will ich bei niemandem auslösen. Ich will kein Teil davon sein. Ich will genau das Gleiche, was ich schon immer wollte: Coolen Shit mit coolen Leuten machen. Gutes Geld für gute Arbeit. Vertrauensvolles Miteinander auf Augenhöhe. „Normales” Mensch-zu-Mensch als Basis für Business.
Vertrauen als knappes Gut
Ich kann die Welt nicht retten. Aber ich kann zumindest in meiner kleinen Bubble, mit meinen kleinen Möglichkeiten, die Entscheidungen treffen, die ihren Beitrag leisten – egal wie klein er sein mag. Denn das Vertrauen gegenüber Marken und Unternehmen schwindet weltweit ohnehin massiv. Auch ich habe zunehmend mehr Anti-Haltung gegenüber Big Tech oder Big Brands. Große Konzerne haben es in den letzten Jahren immer wieder geschafft, unser Vertrauen zu enttäuschen – durch intransparente Datenpraktiken, durch Versprechen, die nicht gehalten wurden, durch Entscheidungen, die das eigene Interesse über das der Nutzer gestellt haben.
Das Ergebnis: Menschen sind misstrauisch geworden. Zu Recht.
Und in diesem Klima fühlt sich jedes erzwungene E-Mail-Formular wie ein kleiner Vertrauensbruch an. Nicht weil es illegal wäre oder unmoralisch im großen Sinne – sondern weil es signalisiert: Erst gibst du mir etwas, dann kriegst du etwas.
Ethisches Marketing ist keine Nische – es ist die Zukunft
Vor circa einem Jahr bin ich auf einen Begriff gestoßen, der auf Anhieb beschrieben hat, was in mir emotional und moralisch schon länger vorging: Ethisches Marketing. Je mehr ich mich in das Thema eingelesen habe, desto klarer wurde mir: Das ist nicht nur eine Beschreibung für eine Marketingstrategie – es ist eine Beschreibung dafür, wie ich mein eigenes Business aufbauen will. Und wie ich für meine Kunden Business aufbauen will.
Was bedeutet das konkret? Für mich heißt es: Ich möchte nichts tun, hinter dem ich nicht hundertprozentig stehe. Und ich stand nicht mehr hundertprozentig hinter dem Prinzip „Daten gegen Leistung” – auch wenn es per se ein fairer Tausch ist.
Die Evidenz gibt dieser Haltung zunehmend recht: Unternehmen, die langfristig auf Vertrauen, Transparenz und echten Mehrwert setzen, bauen stabilere Kundenbeziehungen auf. Es ist kein romantisches Ideal – es ist schlicht klügeres Business.
Wen das Thema interessiert – ich habe hierzu auch einen ausführlicheren Beitrag gemacht: Ethisches Marketing: Haltung zeigen statt Hochglanz versprechen
Was ich stattdessen tue: Geben, ohne Erwartungshaltung
Der KI-Score auf meiner Website ist jetzt vollständig kostenlos und anonym nutzbar. Keine E-Mail. Kein Formular. Einfach die URL eingeben, analysieren lassen, Ergebnis bekommen.
Ich setze bewusst auf das Reziprozitätsprinzip – aber in seiner ehrlichsten Form. Nicht als Mechanismus, der Nutzer in einen Funnel zwingt, sondern als echtes Angebot: Ich gebe dir etwas Wertvolles, ohne etwas dafür zu verlangen. Wenn du danach das Gefühl hast, dass ich dir weiterhelfen könnte – weißt du, wo du mich findest.
Natürlich bin auch ich ein Unternehmen, das auf neue Kunden angewiesen ist. Ich möchte meine Kundengewinnung planbar gestalten – es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, ich treffe diese Entscheidung leichtfertig. Insbesondere bei den aktuell unruhigen Zeiten ist Kundengewinnung so wichtig wie vielleicht nie zuvor. Aber ich habe entschieden, dass ich das nicht auf Kosten meiner eigenen Werte tun werde.
Ein kleiner Schritt, der sich richtig anfühlt
Vielleicht ist es naiv. Vielleicht funktioniert der alte Weg besser – zumindest kurzfristig gemessen in Leads und Conversion-Rates. Jede der Lead-Agenturen, die mich momentan pausenlos kontaktieren, würde mir vermutlich von diesem Schritt abraten. Sie wollen mir KI-Akquise verkaufen, bei dem ich mittels KI-Video-Outreach so tue, als ob ich die Websites von Kunden angeschaut hätte und jetzt „ganz spannende Erkenntnisse” zu teilen hätte. Auch ich brauche Kunden. Aber nicht zu jedem Preis. Wenn mein Herz und Bauch beide mich fragend anschauen, kann es die Sache nicht wert sein.
Ich halte fest an dem Glauben, dass echte Verbindung von Mensch zu Mensch zunehmend wichtiger wird: Wer heute echtes Vertrauen aufbaut, hat morgen einen Vorsprung, den man nicht so leicht einholt. Und ich möchte vor allem Teil der Bewegung sein, die zeigt, dass ethisches Marketing und wirtschaftlicher Erfolg kein Widerspruch sind.
Insofern: Der KI-Score wartet. Keine E-Mail. Versprochen. Wenn du aber den Wert meines Angebots erkennst und darüber hinaus Bock auf ein unverbindliches Kennenlernen hast, freu ich mich über deinen Kontakt.




